Akzeptieren und Annehmen unangenehmer Gefühle

 

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Die meisten Menschen wünschen sich ein Leben, das aus viel positiven Empfindungen und möglichst wenig unangenehmen Gefühlen besteht. Negativen Gefühlen gegenüber fühlen wir uns oft hilflos. Ärger, Wut, Angst oder Eifersucht führen häufig zu inneren Blockaden, verzerrten Wahrnehmungen oder problematischen Verhaltensweisen, die uns im Nachhinein leidtun oder schädigen. Daher neigen wir dazu, gegen negative innere Emotionen oder Gedanken anzukämpfen oder sie zu vermeiden.

Das Vermeiden negativer innerer Erfahrungen funktioniert in der Regel aber nur kurzfristig. Ausserdem brauchen wir das Erkennen negativer Gefühlszustände, da es uns hilft zu verstehen, was wir befürchten, vermissen oder lieben. Negative Gefühle sind notwendig, um Prozesse und Entwicklungen in Gang zu bringen. Das Erkennen und Verstehen negativer Zustände ist eine Möglichkeit der Klärung und Bewältigung.

Demnach ist das Akzeptieren von unangenehmen Gefühlen eine wichtige Selbsterfahrung. Die folgende Übung kann hilfreich sein, auf negative innere Gedanken, Bilder oder Emotionen zuzugehen, sie zu verstehen und anzunehmen und letztendlich Entwicklungen und Lösungen zu ermöglichen. Viele Personen empfinden danach eine Entspannung, da das Akzeptieren lernen negativer Gefühle uns meistens weniger Kraft raubt als das Ankämpfen und Vermeiden. Wenn Sie Lust haben, probieren Sie die Übung einmal aus.

Nehmen Sie eine bequeme Sitzposition ein und lesen Sie langsam die Instruktion.

Atmen Sie ein paar Mal tief ein und aus… Denken Sie an eine aktuelle Situation, die in Ihnen Wut, Ärger, Angst oder Kummer auslöst. Dies kann eine Streitsituation sein oder ein anderes Erlebnis, das Sie gekränkt oder enttäuscht hat. Versuchen Sie sich diese Situation ganz intensiv in Erinnerung zu rufen. Welcher Aspekt in dieser Situation führt bei Ihnen zu den negativsten Wahrnehmungen? Spüren Sie körperliche Empfindungen, wenn Sie sich dieses Ereignis vergegenwärtigen? Probieren Sie nun aus, was passiert, wenn Sie sich zur Wehr setzen und Nein sagen. Versuchen Sie Nein zu den negativen Empfindungen zu sagen, Nein zur Angst, Nein zur Wut, zur Scham oder zum Kummer. Und nun achten Sie darauf, was dieser Widerstand mit Ihnen macht, spüren Sie den Widerstand im Körper nach. Was geschieht mit den schmerzlichen Emotionen, wenn Sie Nein sagen? Spüren Sie Belastung, Druck? Vielleicht nehmen Sie eine Anspannung wahr, wenn Sie sich auf die Abwehr dieser negativen Empfindungen fokussieren. Jetzt atmen Sie wieder tief ein und aus und verlassen die Situation, verabschieden Ihre Gedanken und achten ausschliesslich auf Ihre Atmung.

Nun versuchen Sie ein zweites Mal, sich die schmerzhafte Situation vor Auge zu führen. Erinnern Sie sich noch einmal an die Einzelheiten und die Gefühle, die Sie mit dieser Situation verbinden. Nun richten Sie ganz bewusst Ihre Konzentration auf das Ja sagen, richten Sie ganz bewusst ein Ja auf diese inneren Erfahrungen. Sagen Sie Ja zu den unangenehmen Empfindungen. Achten Sie auf Ihren Körper, wie er sich beim Ja sagen anfühlt, vielleicht spüren Sie Offenheit, Bewegung, vielleicht spüren Sie eine Entlastung oder Raum für Entwicklung. Wie sähe Ihr Leben aus, wenn es Ihnen gelingt, Ja zu sagen zu den Dingen, die Sie nicht ändern können? Nun gehen Sie wieder mit Ihrer Konzentration zurück zur Atmung, konzentrieren Sie sich auf die Atembewegung, die Sie im Oberkörper spüren und versuchen Entspannung im Körper zu verteilen.“

Referenz:

Michalak, J. (2009). Akzeptanz II. In: Fliegel, S., & Kämmerer, A. (2009). Psychotherapeutische Schätze II. DGVT-Verlag.

Dr. phil. dipl. psych. Melanie Braun