Der Einfluss sozialer Medien auf die psychische Gesundheit

Online-Plattformen wie Instagram, Facebook, Twitter oder Youtube sind in der heutigen Medienwelt nicht mehr wegzudenken. Viele, vor allem jugendliche Menschen, vertreiben einen Grossteil ihrer Freizeit auf Social-Media Plattformen. Die Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren, sind durch die Erfindung von sozialen Netzwerken deutlich gewachsen. Innert kürzester Zeit kann man mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt treten. Dabei stellt sich die Frage nach den Folgen des steigenden „social media“ Gebrauchs auf die menschliche Psyche und insbesondere auf den Selbstwert. Was zeigt die aktuelle Datenlage dazu?

Was sind positive als auch negative Folgen von sozialen Medien?
Die moderate Nutzung der sozialen Netzwerke führt wahrscheinlich zu keinerlei schwerwiegenden Problemen. Sobald sie jedoch den Alltagsablauf stark beeinflusst, kann die Nutzung der sozialen Medien schnell zu einem Problem werden. Eine Abhängigkeit von den sozialen Netzwerken kann sich auf die Beziehungen zu Mitmenschen, auf die Schlafgewohnheiten als auch auf die Leistungen bei der Arbeit, in der Schule oder während des Studiums auswirken. Die Royal Society for Public Health (RSPH) hat im Rahmen einer aktuellen britischen Studie „Status of Mind: Social media and young people`s mental health and wellbeing“ die Wirkung von sozialen Medien auf die menschliche Psyche und das Wohlbefinden untersucht. Die Forscher haben sich dabei auf 16 bis 24-jährige Menschen konzentriert, da diese Zielgruppe am häufigsten soziale Medien wie Facebook, Twitter und Co nutzt. Die Studie stellte positive als auch negative Auswirkungen der sozialen Medien auf die psychische Gesundheit fest. Die wichtigsten Ergebnisse werden in den folgenden Punkten zusammengefasst.

Positive Auswirkungen von sozialen Medien auf die psychische Gesundheit
Durch die Vernetzung mit Menschen aus allen Lebensbereichen ergibt sich die Chance, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder aus ihren Erfahrungen zu lernen und in der Folge in das eigene Leben zu integrieren. Die Forschung konnte zeigen, dass sich Lernen durch Erfahrungen anderer im Sinne von Modelllernen positiv auf die eigene Gesundheit auswirkt. Sieben von zehn StudienteilnehmerInnen berichten davon, dass ihnen der Austausch über soziale Netzwerke in schweren Zeiten geholfen hat. Ein weiterer positiver Effekt ist zudem, dass man in sozialen Netzwerken seine Identität finden und ausdrücken kann. Die Möglichkeit der internationalen Vernetzung über die Plattformen ist zudem von grossem Vorteil, wenn man von Freunden oder der Familie räumlich getrennt ist. Es gibt Studien, die belegen, dass eine starke Medieninteraktion die Freundschaften verstärken kann. Es besteht dadurch die Chance, Beziehungen über grössere Distanzen hinweg aufrecht zu erhalten.

Negative Auswirkungen von sozialen Medien auf die psychische Gesundheit
Neben den positiven Auswirkungen zeichnen sich andererseits deutlich negative Auswirkungen ab. Im Rahmen der oben genannten britischen Studie geben vier von fünf StudienteilnehmerInnen an, dass soziale Medien ihre Ängste verstärken. Die Untersuchung zeigte, dass starke Social Media-Nutzer, welche sich mehr als zwei Stunden pro Tag darin aufhalten, häufiger von einer schlechten psychischen Verfassung berichten. Dies liege gemäss den Autoren primär daran, dass sie negative Gefühle entwickeln, wenn sie Bilder von Freunden sehen, die sich beispielsweise im Urlaub aufhalten, während unsereins arbeitet.

Der häufige soziale Vergleich mit vielfach mit Photoshop oder ähnlichem bearbeiteten Bildern von anderen Menschen, die häufig fern ab von der Realität sind, fördert unrealistische Erwartungen an das eigene Leben und gefährdet somit auch die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins. Die Forscher fanden heraus, dass die übermässige Nutzung von mehr als zwei Stunden täglich psychische Belastungen erhöht und Selbstmordgedanken fördern kann.

Der Einfluss von sozialen Medien auf den Schlaf
Bereits die reine Nutzung sozialer Medien hat Auswirkungen auf den Schlaf. Die Nutzer liegen mit dem Laptop oder dem Handy im Bett, welche blaues Licht ausstrahlen. Dies unterdrückt die Melatonin-Produktion, welche entscheidend für das Einschlafen ist. In der genannten Studie gaben die Jugendlichen an, dass sie nachts häufig aufwachen, um ihre Nachrichten in den sozialen Medien zu checken.

Verzerrtes Körperbild durch sozialen Vergleich
Die verschiedenen Plattformen der sozialen Medien geben Nutzern die Möglichkeit, Einblicke aus ihrem Leben mit anderen Nutzern zu teilen und gleichzeitig auf dem neusten Stand zu sein, was das Leben der anderen betrifft. Die konstanten Updates aus dem Leben der anderen Nutzer können jedoch auch dazu führen, dass ein ständiger Vergleich mit dem Leben der anderen Nutzer entsteht. Dies kann zu vermehrten Selbstzweifeln, Unsicherheit, was das eigene Körperbild betrifft, Angstgefühlen und einem geringeren Selbstwertgefühl führen. Insbesondere Frauen und Mädchen, die bereits kurze Zeit auf sozialen Medien verbringen, haben ein schlechteres Selbstbild als Nicht-Nutzer. Zudem konnte gezeigt werden, dass die Bereitschaft für Diäten oder andere Möglichkeiten zur Optimierung des Körpers nach der Nutzung angestiegen ist.

Mobbing und soziale Medien
Durch den Aufstieg sozialer Medien wurden die Kontaktmöglichkeiten immer häufiger – und damit verbunden stiegen dementsprechend die Möglichkeiten zum Mobbing. Bereits sieben von zehn Jugendlichen sind schon einmal Opfer von Cyber-Mobbing geworden. Mobbing-Opfer neigen zu schlechteren Schulabschlüssen, Depressionen, Angstzuständen, Vereinsamung und Essstörungen. Cyber-Mobbing kann dabei verschiedene Formen annehmen – negative Kommentare zu Posts, Beleidigungen über persönliche Nachrichten oder das Verbreiten von Bildern, welche das Mobbing-Opfer in einer kompromittierenden Situation zeigen. Obwohl es in sozialen Medien die Möglichkeit gibt, unangemessene Beiträge zu melden, reagieren nach Ansicht der Jugendlichen die Unternehmen kaum darauf.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ein achtsamer Konsum von sozialen Medien für die psychische Gesundheit wichtig ist. Eine gute Balance ist dabei zentral. Die Nutzung der sozialen Medien sollte neben den alltäglichen Aktivitäten ablaufen und diese keinesfalls ersetzen. Es kann zudem ratsam sein, sich hin und wieder bewusst eine Pause von den sozialen Medien zu nehmen. In gewissen Fällen ist es hilfreich, wenn pro Tag ein bestimmter Zeitraum festgelegt wird, an dem man nicht auf sozialen Medien aktiv ist.

In diesem Sinn, begeben sie sich häufiger in die Natur, treffen sie sich mit Freunden in der „realen Welt“, geniessen sie Momente ohne soziale Medien und haben Sie dabei keine Angst, etwas zu verpassen.

 

Literatur:

Royal society for public health: „Status of Mind: Social media and young people`s mental health and wellbeing“, unter: https://www.rsph.org.uk/our-work/campaigns/status-of-mind.html (abgerufen am 03.09.2018)

Primack, B.A., Shensa, A., Escoar-Viera, C.G. et al. (2017). Use of multiple social media platforms and symptoms of depression and anxiety: A nationally-representative study among U.S. young adults. Computers in human behavior 69: 1-9

 

Lia Frei, M. Sc. Psychologin