Einführungsveranstaltung: Training mentaler Ressourcen

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Die Bedeutung und Beliebtheit achtsamkeitsbasierter Interventionen explodierte richtiggehend im letzten Jahrzehnt und findet eine vielseitige Anwendung in den Bereichen der medizinischen / therapeutischen Versorgung, Prävention, Wirtschaft, Sport sowie auch in Schulen und Kindergärten. Seit der Einführung des MBSR-Programms (Mindfulness-Based Stress Reduction) von Jon Kabat-Zinn in den 1970er Jahren wurde die Wirkung von achtsamkeitsbasierten Trainings und Meditation systematisch wissenschaftlich untersucht und trotz teilweiser verbleibender Skepsis in der medizinischen Welt gelten die folgenden positiven Effekte als nachweislich bestätigt (z.B. Metaanalyse von Rinske et al., 2015):

  • Reduktion von depressiven und Angst-Symptomen
  • Stressreduktion
  • erhöhte Lebensqualität
  • verbesserte somatische Werte bei Krebs, kardiovaskulären Erkrankungen, chronischen Schmerzen, psychiatrischen Erkrankungen (v.a. Depression, Angst)
  • erfolgreiche Prävention bei gesunden Erwachsenen, Teenagern und Kindern (Aufmerksamkeitsfokus, Leistungssteigerung, Resilienz)
  • verbesserte kognitive Leistungen

Während die positiven psychologischen Effekte als auch die plastischen Veränderungen der Hirnstrukturen mittlerweile unbestritten sind, werden die zugrundeliegenden neurologischen Mechanismen noch weiter rege erforscht. Neuste neurowissenschaftliche Forschungsbefunde beschreiben insbesondere Assoziationen mit den Hirnarealen um die Insula und den Präfrontalkortex, welche eine wichtige Rolle bei der Emotionsregulation, Bewusstheit und Selbstkontrolle spielen. Neurowissenschaftler fanden dabei ein sogenanntes „Ruhenetzwerk des Gehirns“ („Default Mode Network“), das verschiedene Areale miteinander verbindet und jeweils aktiviert wird, wenn wir ruhen oder inaktiv sind. Dieses Netzwerk verfolgt laut der Literatur drei Aufgaben: 1) ein Gefühl unseres Selbst zu kreieren, 2) dieses Selbst in die Vergangenheit und die Zukunft zu projizieren und 3) dabei nach Problemen zu suchen. Das heisst, dieses Netzwerk diente einst dazu, unser Überleben zu sichern, jedoch nicht um uns glücklich zu machen! Die Forschungsbefunde konnten zeigen, dass durch die Achtsamkeitsmeditation dieses Netzwerk gehemmt / deaktiviert werden kann (Brewer et al., 2013).

In der Psychotherapieforschung spricht man dabei von der „dritten Welle oder dritten Generation der Verhaltenstherapie“ und die Elemente der Achtsamkeitsmeditation werden insbesondere im Umgang mit belastenden Gefühlen und Gedanken bei schwierigen Situationen und zur Stressreduktion essentiell (z.B.Heidenreich T. & Michalak J, 2014).

Die oben genannten Befunde bestätigen sehr gut auch die von Klaus Grawe beschriebenen Erkenntnisse aus der Psychotherapieforschung (siehe auch Neuropsychotherapie, Grawe, 2004) und lassen sich in das von ihm entwickelten Rahmenmodell für Psychotherapie, die Konsistenztheorie integrieren.

Wir freuen uns daher, Sie auf eine Einführungsveranstaltung in ein neues Gruppenangebot aufmerksam machen zu können:

Training mentaler Ressourcen, am Freitag, 27. Juli 2018 von 18:00-20:00 Uhr

Anmeldungen und Fragen können direkt an lic. phil. Andrea Bender: abender@ifpt.ch gerichtet werden, die Plätze sind begrenzt.

Das Training besteht ausschließlich aus Elementen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich untersucht und bestätigt worden sind. Es ist ein säkulares Programm und ist daher unabhängig von religiösen oder spirituellen Richtungen. Das Training mentaler Ressourcen wurde in Anlehnung an das MBSR Programm (Mindfulness Based Stress Reduction / Achtsamkeitsbasierte Stress-Reduktion) und die Konsistenztheorie nach Klaus Grawe entwickelt.

 

Literatur:

Grawe, K. (2004). Neuropsychotherapie. Göttingen, Bern: Hogrefe.

Brewer, J. A., S. Bowen, J. T. Smith, G. A. Marlatt, M. N. Potenza, (2010) “Applying Mindfulness-Based Treatments to Co-Occurring Disorders: What Can We Learn From the Brain?” Addiction 105: 1698-1706.

Brewer, J. A., Van Dam, N. T., Davis, J. H. (2013) „Mindfulness and the Addictive Process: psychological models and neurobiological mechanisms.“ in Ostafin, B. D., Robinson, M. D., Meier, B. P. (Eds), Handbook of Mindfulness and Self-Regulation. New York: Springer. pp. TBA

Grawe, K. (2004). Neuropsychotherapie. Göttingen, Bern: Hogrefe.

Gotink R., Chu P., Busschbach J., Benson H., Fricchione F., Hunink M. (2015). Standardised Mindfulness-Based Interventions in Healthcare: An Overview of Systematic Reviews and Meta-Analyses of RCTs. PlosOne, 10 (4): e0124344.

Heidenreich T, Michalak J, Achtsamkeitsbasierte Psychotherapie – Chancen und Grenzen der dritten Generation der Verhaltenstherapie, Sucht 2014, 60 (1): 7-12.

Kabat-Zinn J, Massion AO, Kristeller J, Peterson LG, Fletcher KE, et al. (1992) Effectiveness of a meditation-based stress reduction program in the treatment of anxiety disorders. Am J Psychiatry 149: 936–943.

 

Lic. phil. Andrea Bender