Hypochondrie ist nicht lustig!

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Über Hypochonder werden oft Witze gemacht, viele kennen ‚anstrengende’ Hypochonder, doch ist Hypochondrie eine ernsthafte psychische Störung von Krankheitswert. Die Betroffenen schämen sich meist sehr für ihre Krankheitsängste. Fast jeder Erwachsene hat im Lauf seines Lebens schon körperliche Missempfindungen an sich beobachtet und u.U. befürchtet, ernsthaft krank zu sein. Derartige Ängste sind an sich ein ‚normales’ Phänomen, halten sie aber über mindestens ein halbes Jahr an und halten sich trotz ärztlicher Rückversicherung weiter aufrecht, spricht man von Hypochondrie.

Hypochondrie besteht aus:

  • Gedanken, eine schwere Krankheit zu haben,
  • Körperliche Empfindungen: vermeintliche Anzeichen für eine körperliche Krankheit,
  • Gefühle: v.a. Angst (vor Begleiterscheinungen und Konsequenzen einer schweren Erkrankung,
  • Verhalten: Suche nach Sicherheit und der Versuch, Krankheitsgedanken zu vermeiden (z.B. gerade vermeiden, zum Arzt zu gehen aus Angst vor einer schlimmen Diagnose, das Vermeiden von Krankenbesuchen, Spitälern oder Friedhöfen oder das Vermeiden).

Gerade die Suche nach Sicherheit beansprucht häufig viel Zeit und führt meist zu vermehrten Arztbesuchen, dem Versuch, Ärzte zu Untersuchungen zu drängen, nahestehende Personen um Rückversicherung zu bitten (‚denkst Du wirklich, dass ich mir keine Sorgen machen muss?’), Selbstuntersuchungen (Abtasten, Blutdruckmessen, Stuhlgang beobachten u.ä.) und – oft vor allem exzessiv betrieben – Informationssuche im Internet.

Diese Versuche, mit Krankheitsängsten umzugehen führt aber genau dazu, sie aufrecht zu erhalten! Wesentliche Faktoren für die Aufrechterhaltung sind nämlich:

  • Richten der Aufmerksamkeit auf den Körper.
  • In Gedanken um bedrohliche Annahmen über den Körper kreisen.
  • Suche nach Sicherheit mit dem Effekt einer kurzfristigen Entlastung, aber Aufrechterhaltung der langfristigen Verunsicherung.

 

Ansatzpunkte zur Veränderung (mehr dazu finden Sie in der Literaturangabe unten):

  • Anerkennung der Angst, unter einer bedrohlichen Krankheit zu leiden,
  • Argumente suchen, die für, aber auch gegen die Überzeugung, eine schwere Krankheit zu haben, sprechen, auch alternative Erklärungen von Missempfindungen in Betracht ziehen,
  • Selbstbeobachtung ihres ganzen Körpers: unser Körper arbeitet ununterbrochen, so dass wir auch etwas spüren: das ist gut und gesund!
  • Internetrecherchen entweder ganz unterlassen oder kritisch betrachten, was Sie dort alles lesen. Beispielsweise verfolgen viele Informationen im Internet einen Zweck (z.B. erstellt durch Pharmafirmen) oder werden in Foren subjektiv und ohne Fachwissen niedergeschrieben, so dass dort viel Fehlinformation zu finden ist.

 

Lapidar ausgedrückt gilt auch hier: Änderung erfolgt dadurch, dass man etwas ändert…

 

Bleichardt, G., Martin, A. (2017). Krankheitsängste erkennen und bewältigen. Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige. Ratgeber zur Reihe Fortschritte der Psychotherapie Band 36. Göttingen: Hogrefe.

 

 

Lic. phil. Barbara Heiniger Haldimann