Repost: Positiv Denken – Fluch oder Segen?

Bildquelle: my-berlin.club

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Positives Denken hilft! Diese globale Annahme ist sowohl in der Gesellschaft als auch unter therapeutischen Fachpersonen sehr verbreitet. Umso häufiger hören wir beim kleinsten Anflug einer negativen Stimmung: „sei positiv“, „kein Wunder dass es nicht klappt wenn Du so negativ bist“, oder „die negativen Gedanken vergiften Dich!“.

Die Forschung zeigt, dass universelles positives Denken nicht so hilfreich ist wie vielfach angenommen, sondern dass es umgekehrt für das Erreichen unserer Ziele sogar hinderlich sein kann. In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass positiv denkende Probanden in der Verhaltensumsetzung (Essverhalten, Sport etc.) signifikant weniger erfolgreich waren als Probanden, die dazu angeleitet wurden, ihre Situation und die Zukunft möglichst realistisch einzuschätzen. Dieser Unterschied wurde dahingehend interpretiert, dass positives Denken zwar kurzfristig angenehm sein kann weil es die innere Spannung reduziert. Mittel- und langfristig kann diese Strategie aber zu einer Abnahme des gesunden Antriebs und der Motivation führen; beide Aspekte sind für eine Zielerreichung bzw. Verhaltensumsetzung wichtige Voraussetzungen.

Die integrative Denk-Strategie, die gemäss wissenschaftlicher Untersuchungen für eine Verhaltensumsetzung am erfolgreichsten ist, wird „Mental Contrasting“ genannt und geht wie folgt:

1. Denken Sie an einen Wunsch.
2. Stellen Sie sich für ein paar Minuten vor, dass dieser Wunsch wahr wird. Erlauben Sie Ihren Gedanken freien Lauf!
3. Überlegen Sie sich jetzt ganz realistisch, welche Hindernisse im Weg stehen, um die Ziele zu erreichen.
4. Überlegen Sie sich konkret, wie Sie diese Hindernisse überwinden können, und welche Schritte dafür notwendig sind.

Viel Spass und Erfolg beim Umsetzen Ihrer Wünsche und Ziele!!

 

Die Forschungsresultate von Prof. Gabriele Oettingen (New York University und Universität Hamburg) wurden übersetzt und zusammengefasst von lic.phil. Misa Yamanaka.

 

Literatur:
Gabriele Oettingen (2014). Rethinking Positive Thinking: Inside the New Science of Motivation. Penguin Group: New York.

Stadler G, Oettingen G, Gollwitzer, P M. (2010). Intervention effects of information and self-regulation on eating fruits and vegetables over two years. Health Psychology, 29(3), 274-283.

Stadler G, Oettingen G, Gollwitzer P M (2009). Physical Activity in Women : Effects of a Self-Regulation Intervention. American Journal of Preventive Medicine, 36(1), 29–34.

New York Times, 26.10.2014: http://www.nytimes.com/2014/10/26/opinion/sunday/the-problem-with-positive-thinking.html?contentCollection=opinion&action=click&module=NextInCollection&region=Footer&pgtype=article

 

Lic. phil. Misa Yamanaka