Resilienz

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Lange Zeit fokussierte die Psychotherapieforschung auf die negativen Auswirkungen biologischer und psychosozialer Risikofaktoren. In den 80er Jahren begann sich eine neue Perspektive zu entwickeln, das sogenannte Resilienzkonzept. Insbesondere in den letzten Jahren gewann das Thema Resilienz immer mehr an Bedeutung in Theorie und Praxis. Resilienz beschreibt schützende Faktoren und Widerstandsfähigkeit bei widrigen, belastenden Umständen. Resilienz versucht das Phänomen, dass manche Individuen trotz bestehender Risikofaktoren oder Stressbelastungen keine psychischen Störungen entwickeln oder sich schnell von traumatischen Erlebnissen erholen und an ihren Krisen wachsen, zu erklären. Resilienz bedeutet demnach das Vorhandensein einer Widerstandsfähigkeit gegenüber pathogenen Umständen sowie die Fähigkeit, Krisen durch persönliche Ressourcen zu meistern und sie als Entwicklungschance zu nutzen.

Die Forschung mit Kindern und Jugendlichen aus problematischen, belastenden Verhältnissen haben unser Wissen über Resilienz erweitert. Untersuchungen belegen, dass es verschiedene Schutzfaktoren gibt, die dazu beitragen, dass Kinder keine pathologischen Entwicklungen zeigen, obwohl sie in hoch belastenden Situationen aufwachsen. Folgende Schutzfaktoren wurden identifiziert:

  • Ein positives Temperament
  • Kommunikations- und Problemlösefähigkeit
  • Selbstvertrauen
  • Die Fähigkeit zu planen
  • Eine kompetente Mutter als Hauptbezugsperson zu haben
  • Das Vorhandensein von anderen Vertrauenspersonen, an die sich das Kind in Krisen wenden kann (Lehrer, Grosseltern, Geschwister)

Resilienz ist eine sich entwickelnde Fähigkeit, die sich bei steigenden Ressourcen erhöhen kann und demnach auch bei Erwachsenen bedeutend und förderbar ist. Resilienzfaktoren sind immer situationsabhängig und variieren im Laufe des Lebenszyklus. So kann für ein Kleinkind eine intensive, schützende Betreuung von Seiten der Eltern ein Resilienzfaktor sein. Für einen Jugendlichen kann hingegen eine sehr intensive beschützende Betreuung das Autonomiebedürfnis verletzen und so einer positiven Entwicklung im Weg stehen.

Das bisherige Wissen über Resilienz liegt nahe, dass Kinder und Jugendliche in belastenden Umgebungen darin unterstützt werden, ihre Resilienzfaktoren zu entwickeln und zu stärken. Hierzu bieten sich Trainings an, die einer Förderung der oben genannten Fertigkeiten dienen, wie bspw. Problemlösetrainings, Selbstmanagementtrainings und Programme zur Steigerung kognitiver Kompetenzen. Ausserdem sind diverse Angebote zur Verbesserung der Interaktion zwischen Eltern und Kind bzw. zur Optimierung des Erziehungsverhaltens aus der Resilienzforschung entstanden.

Auch in der Psychotherapie spielt Resilienz und die Förderung von Resilienz eine entscheidende Rolle. Die Förderung der Resilienz bedeutet die Orientierung an bestehenden und die Verbesserung potentieller Ressourcen. Auch in der Behandlung von Erwachsenen in belastenden Situationen sowohl in Diagnostik als auch in Therapie soll sich demzufolge auf die Fähigkeiten, Stärken und Handlungspotentialen der Klienten konzentriert werden. Psychotherapie soll neben der Problemorientierung die Ressourcenperspektive und damit auch die Resilienzförderung zum Inhalt haben. Die Psychotherapieforschung zeigt deutlich, dass die Fokussierung auf Ressourcen und Stärken des Klienten hilfreich ist und die Stressbewältigungsfähigkeit unterstützt. In der psychotherapeutischen Arbeit ist es einerseits bedeutend, die bestehenden Resilienzen zu nutzen, um Belastungen zu bewältigen und positive Prozesse in Gang zu bringen. Andererseits soll die Resilienzförderung Ziel psychotherapeutischer Interventionen sein.

 

Literatur:

Hagen & Voigt (2013). Resilienz – Positive Entwicklung trotz belastender Lebensumstände. Psychotherapie im Dialog, 2013; 14(01): 16-20

 

Dr. phil. Dipl. Psych. Melanie Braun