Was ist Manipulation?

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Wir alle sind manchmal manipulativ: Manipulation bedeutet, dass jemand versucht, andere dazu zu bringen etwas zu tun, was die gar nicht tun möchten oder etwas ganz sicher nicht zu tun. Zeigt jemand in hohem Mass manipulatives Verhalten, fühlen sich andere mit der Zeit ausgenutzt, was langfristig verhindert, dass persönlich wichtige (interaktionelle) Ziele befriedigt werden, was wiederum genau das Gegenteil ist von dem, was ursprünglich beabsichtig wurde! Manipulation als solches ist kein Problem, wird aber durch eine hohe Dosis zu einem.

Wir gehen davon aus, dass Handlungen zwischen Personen (= interaktionelle Handlungen) einer Absicht zugrunde liegt, die mehr oder weniger bewusst ist. Man kann so handeln, dass die Absicht erkennbar (transparent) ist oder so, dass die Absicht ‚entschlüsselt’ werden muss (‚durch die Blume gesagt’, ‚indirekte Botschaften’) oder sogar so, dass die Absicht sehr schwer zu durchschauen ist (‚getarnt’, intransparent).

Bei transparenten Absichten hat das Gegenüber die Möglichkeit, zu entscheiden, ob es der Absicht folgen will oder nicht. Bei intransparenten Absichten soll das Gegenüber dazu gebracht werden, etwas tun zu müssen, weil ‚der Manipulator’ davon ausgeht, dass es das freiwillig nie tun würde. Um das zu erreichen, muss der Manipulator andere Gründe (als die ursprüngliche Absicht) vorgeben.

Beispiel:

  • Ziel: in den Arm genommen werden, körperliche Nähe:
  • Transparent: ‚Bitte nimm mich in den Arm’.
  • Annahme: Das Gegenüber ist – zumindest manchmal – gewillt, das zu tun.
  • Intransparent (‚getarnt’), Obwohl es mir nicht so schlecht geht, sagt der Manipulator unter Tränen: ‚Mir geht es gerade sehr schlecht’.
  • Annahme: Das Gegenüber nimmt mich nur in den Arm, wenn es Mitleid hat und denkt, dass ich das ‚brauche’ oder wenn es sich gut fühlt, wenn es Gutes tut für andere Menschen und mich daher in den Arm nehmen muss.

Hintergrund von manipulativen Strategien sind biografisch negative Erfahrungen mit transparentem Handeln:

  • Das Umfeld reagiert gar nicht und die Überzeugung entsteht, selber mit transparenten Absichten nichts bewirken zu können (z. B. Wunsch nach Nähe, Zärtlichkeit wird ignoriert)
  • Das Umfeld reagiert negativ (z. B. ‚Du bist egoistisch’, Du störst’, Abwendung) und die Überzeugung entsteht, dass Ziele nur erreicht werden können, wenn man versucht, andere (durch Verschleierung der eigentlichen Absichten) dazu zu bringen, etwas Bestimmtes zu tun.

Beispiel 1: Wunsch nach Anerkennung:

Der Manipulator vermittelt ein positives Image: ‚ich bin toll’, ‚ich bin besonders intelligent’, ich bin erfolgreich, ich verkehre nur mit den Besten’ -> der Appell ist: ‚finde mich toll, bewundere mich, kritisiere mich nicht!’

Beispiel 2: Wunsch nach Unterstützung:

Der Manipulator vermittelt ein negatives Image: ‚Ich kann es kaum aushalten, ich kann selber nichts tun, ich bin schwach, alles, was ich tue, verschlimmert meinen Zustand’ -> der Appell ist: ‚hilf mir, übernimm Du die Verantwortung, schone mich, belaste mich nicht!’ Manipulative Handlungen funktionieren eine Weile ganz gut, die negativen Folgen (‚Kosten’) treten erst verzögert auf indem, dass es meist einen Punkt gibt, an dem das Gegenüber die Manipulation ‚erkennt’ und sich nicht mehr manipulieren lassen sondern sich wieder selber entscheiden will, ob es eine Handlung ausführt oder nicht. Entweder wird dann der Manipulator vermieden (Kontakt reduzieren oder abbrechen), die Manipulation aufgedeckt und ‚durchschaut’ (‚Du möchtest eigentlich, dass…, ‚es geht Dir um…’) oder es werden Gegenstrategien entwickelt, um die Manipulation zu beenden, indem offen ausgesprochen wird, was der Manipulator erreichen will (‚Du möchtest jetzt erreichen, dass ich…’).

Auf Seiten des Manipulierten bedeutet eine Veränderung, sich schützen zu können vor Manipulation, um die eigene Handlungsfreiheit beibehalten zu können. Auf Seiten des Manipulators bedeutet eine Veränderung, von (früher hilfreichen und sinnvollen) intransparenten Strategien zu zunehmend transparenterem Handeln zu kommen, um zwischenmenschliche Beziehungen in einer befriedigenden Art aufrecht erhalten zu können.

 

Literatur:

Sachse, R. (2014) Manipulation und Selbsttäuschung. Wie gestalte ich die Welt so, dass sie mir gefällt: Manipulationen nutzen und abwenden. Berlin-Heidelberg: Springer.

 

Lic. phil. Barbara Heiniger Haldimann