Repost: Ist mein Kind gestresst?

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Stress und Kindheit – zwei Begriffe, die zusammenpassen?

Tatsächlich macht die Stressbelastung und deren Auswirkung auch vor Kindern und Jugendlichen nicht halt. In der Schweiz leidet aktuell jedes sechste Kind und jeder fünfte Jugendliche unter Stress.

Die Stressoren für Kinder und Jugendliche sind vielzählig und unumgänglich: Erwartungs- und Leistungsdruck, Konkurrenzverhalten, Terminstress, ein grosses Freizeitangebot, hohe schulische Anforderungen, Medienflut oder ein riesiges Konsumangebot machen auch vor Ihnen nicht halt.

Die Auswirkungen sind vielzählig und geben einen Hinweis darauf, ob auch Ihr Kind allenfalls unter Stress leidet. Stresssymptome lassen sich in unterschiedliche Bereiche einteilen.

Einerseits äussert sich dieser über physische Symptome respektive über die psychosomatische Ebene: Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Bauchschmerzen, Herzklopfen, Händezittern, Übelkeit und Appetitlosigkeit sind einige davon. Auch berichten Kinder über eine körperliche Unruhe, Überaktivität, Schweissausbrüche und Atembeschwerden. Eltern bemerken häufig auch eine erhöhte Infektionsanfälligkeit – die Kinder sind öfters krank.

Stress äussert sich jedoch auch über die emotionale Ebene: Wut oder Verärgerung, Erschöpfung, Traurigkeit, Überforderung, Anspannung, Unzufriedenheit, Gefühle der Einsamkeit sowie Ängstlichkeit sind häufige Emotionen, die auftreten. So berichten beispielsweise auch 11% der gestressten Jugendlichen, dass sie sich depressiv fühlen, ohne den Grund dafür zu kennen. Auch Gefühle der Hilflosigkeit, Schuldgefühle oder Versagensängste werden oft berichtet.

Tendenziell ist es so, dass bei jüngeren Kindern sich Stress stärker über die psychosomatische Eben äussert und mit zunehmendem Alter immer mehr emotionale Symptome auftreten.

Auch im kognitiven Bereich macht sich Stress bemerkbar. Kinder und Jugendliche klagen über Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsstörungen und Gedankenkreisen. Das heisst sie können Ihre Gedanken nicht mehr „runterfahren“ und kommen nicht zur Ruhe, was gerade in Stresszeiten sehr wichtig ist.

Zuletzt äussert sich Stress auch auf der Verhaltensebene. Etwa ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen wird unter Stress aggressiv, ein weiterer Drittel zieht sich zurück und verkriecht sich im Schneckenhaus. Einige werden unter Stress auch deutlich impulsiver und es kommt in der Folge zu mehr Konflikten.

Wenn Ihr Kind unter mehreren (Stress-)Symptomen leidet, kann das ein Zeichen von Stress sein, muss es aber nicht! Oftmals gibt es auch ganz andere Ursachen für die oben aufgeführten Symptome. Bemerken Sie jedoch, dass Ihr Kind leidet, empfehlen wir den Ursachen weiter auf den Grund zu gehen. Dies kann bedeuten zuerst selber zu reflektieren, welche Ursachen es für die Symptome geben könnte und im weiteren Verlauf Unterstützung (vom Kinderarzt, der Schule oder Fachstellen) in Anspruch zu nehmen, um etwas gegen den Leidensdruck des Kindes unternehmen zu können.

 

Quelle:

Beyer, A. & Lohaus, A. (2006). Stressbewältigung im Jugendalter. Ein Trainingsprogramm. Hogrefe: Göttingen.

Hampel, P. & Petermann, F. (2003). Anti-Stress-Training für Kinder. Beltz PVU: Weinheim.

Saile, H. & Scalla, P. (2006). Chronische Kopfschmerzen und Stress bei Kindern. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 35(3), 188-195.

Lohaus, A. & Klein-Heissling, J. (2001). Stresserleben und Stressbewältigung im Kindesalter: Befunde, Diagnostik und Intervention. Kindheit und Entwicklung, 10, 148-160.

 

 

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