Weshalb lassen sich Paare scheiden?

http://www.partnerschaft-und-beziehung.info/2014/02/Was-sind-die-groessten-Beziehungskiller.html

Am 8. Mai 2018 fand ein weiteres sehr interessantes State oft the Art Seminar bei Herrn Prof. Dr. Guy Bodenmann statt mit dem Thema Stressbewältigung für Paare.

Hierbei wurden unterschiedliche Aspekte der Paarbeziehung im Zusammenhang mit Alltagsstress thematisiert. Einige der Erkenntnisse möchten wir mit Ihnen teilen.

 

Weshalb lassen sich Paare überhaupt scheiden?

Ein zentraler Aspekt, weshalb sich Paare scheiden lassen, ist der Alltagsstress. Es mag vielleicht überraschen, aber während andere Stressoren wie tiefgreifende Einschnitte (Verlust oder Tod einer nahestehenden Person, Krankheiten) sowie normative Stressoren (z.B. Heirat oder der Schuleintritt eines Kindes) Paare eher zueinander bringen, treibt der Alltagsstress Paare auseinander. Es sind also gerade „die täglichen Kleinigkeiten“, die es in sich haben.

Durch Alltagsstress verbringen Paare automatisch weniger Zeit miteinander und die Kommunikation verschlechtert sich. Einerseits wird weniger kommuniziert, jedoch wird die Kommunikation auch oberflächlicher und getrieben – unter Stress will man schnell eine Lösung finden. Studien zeigen, dass negative Interaktionen in der Kommunikation zunehmen (z.B. Kritik, Vorwürfe) und positive Interaktionen abnehmen (z.B. Lob, Anerkennung, Zuwendung).

Alltagsstress fördert auch somatische und psychische Probleme bei den einzelnen Partnern, was sich ebenfalls belastend auf die Partnerschaft auswirken kann. Zudem legt Stress bei uns problematische Persönlichkeitszüge frei: Wir sind gereizter, sarkastischer, intoleranter und vergreifen uns häufiger im Tonfall.

All diese Faktoren führen letztlich zu einer Entfremdung der beiden Partner. Als Konsequenz entsteht immer mehr Unzufriedenheit in der Partnerschaft. Dies per se führt noch nicht dazu, dass wir uns scheiden lassen wollen. Kommt dann jedoch noch ein (stressreicher) Auslöser hinzu (z.B. Untreue in der Partnerschaft, ein Umzug oder Arbeitswechsel), beginnen wir abzuwägen: Soll ich in dieser Beziehung bleiben? Lohnt es sich? Wäre es besser sich scheiden zu lassen? Gibt es mehr oder stärker wiegende Gründe für eine Trennung wird die Entscheidung zugunsten einer Scheidung/Trennung gefällt.

 

Um diesem Prozess entgegen zu wirken ist es deshalb sehr wichtig, dass Paare miteinander kommunizieren. Kommunikation ist aber nicht gleich Kommunikation! Der Kernpunkt liegt darin, sich auf einer tiefen emotionalen Ebene auszutauschen.

Es geht darum unserem Partner mitzuteilen, was uns beschäftigt. Nicht was all unsere Alltagsstressoren sind, sondern weshalb diese uns stressen. Denn Stress ist sehr individuell. Was wir als Stress empfinden und weshalb uns genau dieser Stressor emotional berührt, beruht auf unseren individuellen Erfahrungen, die wir gemacht haben. Selbst wenn wir bereits seit Jahren mit unserem Partner liiert sind, kann nur der Partner uns mitteilen was und weshalb ihn/sie etwas stresst. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig sich dem Partner/der Partnerin mitzuteilen, aber auch genau zuzuhören (!), was ihn/sie beschäftigt und weshalb der Stress in die Partnerschaft getragen wird.

Es gibt bereits gute Ratgeber, welche eine Anleitung und Übungsmaterial für eine verbesserte Paarkommunikation geben. Sollte es in Ihrer Partnerschaftskommunikation jedoch immer wieder zu Schwierigkeiten kommen und können Sie diese Muster nur schwer selber durchbrechen, lohnt es sich deshalb Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Zum Beispiel in Form eines Kommunikationstrainings.

 

Literatur:

State of the Art Seminar von Prof Dr. Guy Bodnemann am Klaus-Grawe-Institut für Psychologische Therapie. Stressbewältigung für Paare: Zuhören als Schlüssel einer wirksamen partnerschaftlichen Bewältigung (dyadisches Coping).

Bodenmann, G. (2016). Bevor der Stress uns scheidet. Bern: Hogrefe.

Bodenmann, G. & Fux, C. (2015). Was Paare stark macht. Zürich: Beobachter Edition.

 

Lic. phil. Nusa Sager-Sokolic