SoA – Seminar: 18. November 2020

Transkulturelle Aspekte in der Psychotherapie

Ein hoher Anteil der Migrationsbevölkerung in der Schweiz und in Europa ist von psychischen Erkrankungen betroffen. Diagnostische Kriterien, wie sie in den Diagnosemanualen ICD-11 und DSM-5 aufgeführt werden, sind kulturelle Konstrukte, d.h. sie wurden in einem bestimmten kulturellen Kontext definiert und sind nicht unmittelbar auf andere kulturelle Gruppen übertragbar. Kulturelle Faktoren beeinflussen wie psychische Symptome wahrgenommen und bewertet werden und wie betroffene Personen und ihre Angehörigen darauf reagieren. Psychische Erkrankungen sind weltweit stigmatisiert, allerdings ist diese Stigmatisierung in gewissen kulturellen Gruppen stärker ausgeprägt als in anderen. Auch gibt es kulturelle Differenzen bezüglich der Annahmen, wie Körper und Geist funktionieren. Der Begriff «kulturelle Leidenskonzepte» wurde im DSM-5 aufgenommen, um zu beschreiben, wie kulturelle Gruppen Symptome psychischer Belastung wahrnehmen, erklären und kommunizieren. Solche kulturellen Leidenskonzepte unterscheiden sich von den Diagnose-kategorien, wie sie in ICD-11 und DSM-5 definiert sind.

In diesem Kurs wird anhand von Videobeispielen und Übungen vermittelt, wie kulturelle Leidenskonzepte in einem diagnostischen Gespräch erfragt werden und welche evidenzbasierten psychotherapeutischen Methoden zur Behandlung solcher kulturellen Leidenskonzepte besonders geeignet sind. Ausserdem werden praktische Beispiele zur Anpassung von Psychotherapie an die Bedürfnisse von kulturell diversen Gruppen thematisiert. Dies beinhaltet auch die Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen, die je nach kultureller Gruppe eine Bedrohung zentraler Lebensbereiche der betroffenen Personen darstellen kann.

Durchgeführt wird das Seminar von PD Dr. Eva Heim, Universität Zürich, Psychologisches Institut – Psychopathologie und Klinische Intervention.

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