SoA – Seminar: 7. März 2018

Erwartungsbasierte Psychotherapie: Neues aus der Placebo-Forschung

Die Erwartungen von Patienten bezüglich eines positiven Behandlungsverlaufs sowie der Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen, erlauben die stärksten Vorhersagen, ob Behandlungserfolg eintreten wird. Über fast alle Gebiete der Medizin bis hin zur Behandlung von psychischen Erkrankungen lassen sich viele Behandlungserfolge allein über entsprechende Erwartungen der Patienten erklären, wie nicht zuletzt die Erforschung von Placebo-Mechanismen klar belegen konnte. Deshalb ist es naheliegend, psychotherapeutische Behandlungen noch mehr daran auszurichten, dass sie bei Patienten positive Erwartungen an den weiteren Verlauf induzieren. Daneben können wir jedoch auch psychische Erkrankungen allgemein als Störungen auf der Ebene der Erwartungen der Patienten klassifizieren. Dies trifft nicht nur für Angsterkrankungen und Phobien zu (Erwartung einer Katastrophe bei Konfrontation mit dem phobischen Stimulus), sondern auch bei Depressionen (z.B. Erwartung negativer Interaktionserfahrungen in der Zukunft), bei Trauma-Folgestörungen und vielen anderen Krankheitsbildern.

Die meisten Psychotherapie-Ansätze zielen (oftmals implizit) auf die Veränderung von Patientenerwartungen, ohne dies wirklich in den Fokus zu stellen. Im Workshop werden deshalb Ansätze vorgestellt, wie Patientenerwartungen modifiziert werden können. Es wird aber auch vertieft der Frage nachgegangen, warum es in vielen Fällen nicht zu einer Korrektur negativer Erwartungen kommt, selbst wenn Patienten positive Erfahrungen machen (fehlender Erwartungsverletzungseffekt wegen Immunisierungsstrategien). Deshalb wird ein weiteres Augenmerk darauf gelegt, wie Immunisierungsstrategien, die üblicherweise Erwartungsveränderungen blockieren, in der Psychotherapie adressiert werden können. Basierend auf den Erfahrungen von Therapiestudien wird aufgezeigt, wie sowohl im organmedizinischen als auch im psychischen Bereich erwartungsorientierte Interventionen zu einem langfristigen Erfolg der Behandlungen sowie zu einer Reduktion von krankheitsbedingten Beeinträchtigungen beitragen können.

Durchgeführt wird das Seminar von Prof. Dr. Winfried Rief, Universität D-Marburg, Klinische Psychologie und Psychotherapie und Leiter der Psychotherapie-Ambulanz.

Weitere Informationen finden Sie hier.