Psychotherapie bei Neurodermitis

https://kurier.at/wissen/psychodermatologie-jede-dritte-hauterkrankung-hat-eine-seelische-komponente/301.663.646

 

Neurodermitis (oder atopisches Ekzem) ist eine körperliche Erkrankung, die sich durch Symptome wie quälender Juckreiz, gerötete und geschwollene Hautbereiche, aufgekratzte Bläschen und trocknender Schorf zeigen kann.

Das atopische Ekzem ist eine der häufigsten Hauterkrankungen, von der vor allem Kinder, aber auch in steigendem Maße Erwachsene betroffen sind.

Der Erkrankung liegt eine erbliche Veranlagung zugrunde und wird durch mehrere Faktoren ausgelöst / verstärkt.

Neurodermitis kann psychisch sehr belastend sein und psychische Belastungen können auch einen akuten Krankheitsschub auslösen. Die Komplexität der psychischen Einflüsse zeigt deutlich, dass eine psychologische bzw. psychotherapeutische Mitbetreuung der Betroffenen notwendig und sinnvoll ist.

Besonders hilfreich ist es, wenn bereits im Kindesalter eine aktive Krankheitsbewältigung gefördert und ein positiver Umgang mit der Neurodermitis erlernt wird. So können immer mehr Erfahrungen gesammelt werden, was sich wie auf das Krankheitsbild auswirkt. Die aktive Krankheitsbewältigung reduziert auch die Hilflosigkeit, fördert das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit.

Für die psychologische Betreuung des an Neurodermitis Erkrankten zeigen insbesondere die vier im Folgenden erläuterten Therapieansätze große Erfolge:

 

2. Psychoedukation & Wissensvermittlung:

Der Betroffene wird eingehend über die Haut und ihre Funktionen, die Neurodermitiserkrankung, Therapieverfahren sowie Möglichkeiten eigener Einflussnahme informiert. Es sollte bei jedem einzelnen Betroffenen herausgefunden werden, welche Stressfaktoren Erkrankungsschübe auslösen. Bei Kindern und Jugendlichen ist es sinnvoll, die Eltern mit einzubeziehen. Nützlich ist außerdem das Führen eines Tagebuchs und die Selbstbeobachtung. Dadurch gelingt es häufig auch, bestimmte krankheitsauslösende Situationen oder Substanzen zu erkennen.

 

2. Entspannungsverfahren:

Entspannungstechniken helfen insbesondere beim Unterdrücken des Juckzwangs durch Beruhigung des Nervensystems. Meditationen, Yoga, QiGong, Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation und Biofeedback sind einige Beispiele für Entspannungstechniken. Imaginationsverfahren (z.B. Fantasiereisen durch kühle Gebiete um die Haut zu beruhigen) sind insbesondere bei Kindern und Jugendlichen beliebter als Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation.

 

 3. Selbst- bzw. Kratzkontrolltechniken:

Neben der optimalen Hautpflege wird das Vermeiden von Juckreizauslösern erlernt. Auch wird geübt, auf Juckreiz nicht mit Kratzen, sondern mit anderweitigen Berührungen, z. B. Druck mit der flachen Hand, zu reagieren. Ebenso ist es hilfreich, auf Juckreiz nicht mit Kratzen, sondern mit Ablenkung zu reagieren. Diese Ablenkung kann auch in der gezielten Anwendung der beschriebenen Entspannungstechniken bestehen. Weiterhin werden die Betroffenen angeregt, darauf zu achten, welcher Auslöser jeweils für den Juckreiz verantwortlich ist. In einem nächsten Schritt wird dann die Beeinflussung dieses Auslösers angegangen.

 

4. Soziale Fertigkeiten:

Je nach individuellem Bedarf werden verschiedene Bereiche der Beziehungsgestaltung geschult. Ein wichtiger Punkt in diesem Bereich ist die enge Verknüpfung zwischen seelischer Befindlichkeit bzw. bestimmten Situationen und dem Erkrankungsverlauf. Besonders wenn die Erkrankung deutlich sichtbar ist und die Betroffenen sich stigmatisiert fühlen, kann dies zu einer grossen Belastung führen. Hilfreiche Techniken sind z. B. ein Selbstsicherheitstraining, Rollenspiele, integrative Verhaltenstherapie, Gruppentherapie, Familientherapie oder kreative Therapien. Das jeweils für einen Betroffenen am besten geeignete Verfahren hängt von seinen individuellen Interessen, Bedürfnissen und Fähigkeiten und Herausforderungen ab. Bei Kindern und Jugendlichen kann es sinnvoll sein, die Eltern in die Übungen mit einzubeziehen.

 

In der Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich bietet das Allergiezentrum Schweiz „aha“ eine kostenlose Beratung an.

 

 

Literatur:

Stagnier, U. (2002). Hautkrankheiten und Körperdysmorphe Störung. Fortschritte der Psychotherapie Band 15. Göttingen: Hogrefe.

www.aha.ch – Beratungsstelle durch das Allergiezentrum Schweiz

 

 

Lic. phil. Andrea Bender